Das historische Seilerhaus – Heimat der Kulturküche

Es ist ein kleines Wunder, dass das alte Seilerhaus immer noch steht und Treffpunkt für so viele Menschen ist. Das Gebäude hat zwei Weltkriege überlebt und mehrere Versuche, es abzureißen. Heute ist es das älteste erhaltene Wohnhaus in Karlsruhe und damit ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte.  

Hintergrundgrafik
Die alte Seilerei, heute Zuhause der Kulturküche, in früheren Zeiten. Schwarz-weiß-Foto.

Alte Seilerei

Schwarz-weiß Foto auf dem ein Fachwerkbalken zu sehen ist.

1723 erbaut

Tapete mit Blumenmuster, ein Teil der Tapete löst sich.

eines der ältesten Wohnhäuser Karlsruhes

Der Innenhof der alten Seilerei, heute Kulturküche. Schwarz-weiß-Foto.

Der Innenhof damals

Schwarz-weiß Foto. Seile hängen von der Decke.

1982: Schönherr gibt Geschäft mit Seilerwaren auf

Früher Seilerei, heute Kulturdenkmal

Sehr lange in Familienbesitz, viele Jahre kurz vor dem Abriss 

Das Seilerhaus wurde 1723 in der Innenstadt-Ost erbaut – nur acht Jahre nach der Stadtgründung von Karlsruhe. Die meiste Zeit war das Gebäude in Familienbesitz. Familie Schönherr betrieb zwischen 1739 und 1952 darin eine Seilerei, die Seile, Taue und Schnüre herstellte. Mit dem Auszug der letzten Bewohnerin, Gertrud Schönherr (1982), begann der Kampf um das Gebäude.

Die einen wollten das Haus abreißen, weil es nicht mehr den neuen Baustandards entsprach. Die anderen setzten sich für seine Rettung und Sanierung ein. Seit 1997 ist das Seilerhaus nun im Besitz der Volkswohnung und steht unter Denkmalschutz.

Eines von sechs erhaltenen Modellhäusern in Karlsruhe   

Die Alte Seilerei ist inzwischen umfassend saniert. Viel Wert wurde dabei auf den Erhalt von Original-Bestandteilen gelegt. Denn sie zeigen, wie die Menschen früher gebaut und gelebt haben. Das Haus wurde damals nach Modellhaus-Vorschriften geplant. Markgraf Karl Wilhelm hat hunderte Gebäude wie dieses entwerfen lassen, damit sie brandsicher sind und gut in den Stadtgrundriss von Karlsruhe passen. Modellhäuser haben meistens einen symmetrischen, rechteckigen Grundriss, sichtbares Fachwerk und ein Satteldach.

Danke an Gertrud Schönherr (siehe Bild): Im Laufe der Jahre gab es von verschiedenen Seiten immer wieder Pläne, das Haus abzureißen. Einer der Vorschläge war, eine Garage mit Wohnungen und Geschäften zu bauen. Gertrud Schönherr wehrte sich gegen diesen Plan und verhinderte den Abriss. Heute ist klar, wie wertvoll das historische Gebäude ist. Umso bedeutender ist ihr Einsatz für die Alte Seilerei – und ein großer Glücksfall für uns alle.

Frau Schönherr vor der alten Seilerei in der Kaiserstraße 47 in Karlsruhe.

Gertrud Schönherr © Stadtarchiv Karlsruhe

Heute: öffentliches Wohnzimmer ohne Konsumzwang  

Seit 2019 beleben wir diesen besonderen Ort: Wir öffnen ihn für alle, die in Karlsruhe wohnen oder zu Besuch sind. Das über 300 Jahre alte Gebäude hat einen gemütlichen, zweistöckigen Innenbereich mit Gastroküche und vielen offenen Begegnungsräumen. Der Innenhof ist ein grün-bunter Ruhepol mitten in der Innenstadt.

Innenhof der Kulturküche, beleuchtet mit Lichterketten und bunte Girlanden. Auf einem Teppich stehen Musikerinnen und Musiker. Im Hof sitzen viele Menschen auf Stühlen oder stehen.

© Kulturküche